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Halbleiter Neuer Milliardenmarkt: Chip-Konzern Intel steigt ins Softwaregeschäft ein

Angesichts stockender Geschäfte will Intel mehr aus seinen 20.000 Programmierern herausholen. Mit Vorstößen in neue Bereiche ist Intel jedoch schon oft gescheitert.
28.09.2022 - 18:00 Uhr Kommentieren
Messestand von Intel Quelle: AP
Messestand von Intel

Der Chiphersteller will künftig auch mit Software Geld verdienen.

(Foto: AP)

München Die Zeit, in der Intel seine Software verschenkt, geht zu Ende. Der US-Chipriese will mit selbst entwickelten Programmen künftig Geld verdienen. Es gebe Software des Konzerns, die eigenständig, also ohne Halbleiter, verkauft werden könne, erklärte Vertriebsvorstand Christoph Schell.

„Wir haben unsere Software bislang nur wenig monetarisiert“, sagte der Manager dem Handelsblatt. Sie sei in der Regel unentgeltlich zusammen mit den Chips geliefert oder Entwicklern kostenlos zur Verfügung gestellt worden.

Vom kommenden Frühjahr an will Intel nun zusätzlich in großem Stil Software gegen Bezahlung anbieten. Derzeit laufe bereits ein Test mit einem Dutzend Kunden aus der Finanzbranche, der öffentlichen Hand und dem Gesundheitssektor, erklärte Technikchef Greg Lavender im Gespräch mit dem Handelsblatt. Es handelt sich um das sogenannte „Project Amber“. Dabei bietet Intel eine Sicherheitslösung für Unternehmen an.

Firmen können durch eine von Intel durchgeführte Überprüfung sicherstellen, dass ihre Daten in Rechenzentren geschützt sind, während sie verarbeitet werden. Die IT-Branche spricht von „vertrauenswürdiger Datenverarbeitung“.

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    Damit nicht genug: Intel übernahm im Frühjahr das israelische Start-up Granulate. Nun verkaufen die Amerikaner die Software des Unternehmens, mit der sich die Arbeitslast von Servern in Rechenzentren optimieren lässt. Weitere Angebote würden folgen, kündigt Vertriebschef Schell an.

    >> Lesen Sie hier: Bis zu 750.000 Euro für die Standortleitung: So sehen die ersten Stellenausschreibungen bei Intel in Magdeburg aus

    Intel lebt bislang von Prozessoren für PCs, Notebooks und Server. Sie sind das Gehirn eines jeden Rechners. Damit sich diese Bauelemente optimal nutzen lassen, haben die Intel-Entwickler zahllose Programme geschrieben, die sie unentgeltlich anbieten, eine Art der Verkaufsförderung und Kundenbindung.

    Es ist aber kein Zufall, dass sich Intel gerade jetzt daran macht, neue Geschäfte abseits der Chips aufzubauen. Denn es läuft alles andere als rund in dem Konzern aus dem Silicon Valley. Im zweiten Quartal ist der Umsatz um ein Fünftel eingebrochen, die Firma schrieb tiefrote Zahlen.

    Intel fällt an der Börse gegenüber AMD und Nvidia zurück

    Schlimmer noch: Vorstandschef Pat Gelsinger musste diesen Sommer die Jahresprognose um gut zehn Prozent zurücknehmen. Ein Grund für den Verlust: Intel fällt gegenüber den Rivalen AMD und Nvidia technologisch immer weiter zurück und verliert Marktanteile.

    Gelsinger investiert daher weltweit Milliarden in neue Werke, um den Rückstand auf TSMC zu verringern. Bei den Taiwanern lassen AMD und Nvidia ihre Chips fertigen. Der weltweit führende Auftragsfertiger ist Intel mit seinen Produktionsverfahren meilenweit voraus.

    Intel-Chef Pat Gelsinger Quelle: Reuters
    Pat Gelsinger

    Der Intel-Chef steht unter Druck, weil der Gewinn schrumpft und er gleichzeitig Milliarden in neue Werke steckt.

    (Foto: Reuters)

    Die Kritik der Investoren wächst angesichts der schlechten Ergebnisse einerseits und der hohen Ausgaben andererseits. Seit Jahresbeginn ist der Kurs der Intel-Aktie an der Wall Street um fast die Hälfte eingebrochen. Den Wettbewerber Nvidia hat es mit einem Minus von knapp 60 Prozent auf dem Parkett zwar wesentlich schlimmer erwischt. Aber im Gegensatz zu Intel ist der Kurs von Nvidia vergangenes Jahr noch kräftig geklettert.

    So kommt es, dass Nvidia an der Börse derzeit gut 300 Milliarden Dollar wert ist, fast 200 Milliarden mehr als Intel. Nvidia ist damit der wertvollste Chiphersteller der Welt, obwohl Intel im jüngsten Quartal rund drei Mal so viel Umsatz erzielte. Selbst AMD, ein weiterer wesentlich kleinerer Konkurrent bei den Prozessoren, wird mit gut 100 Milliarden Dollar annähernd so hoch bewertet wie Intel.

    Analysten warnen vor „turbulenten“ Monaten

    Die schlechten Nachrichten von früher würden nachwirken, erklärt Peter Fintl, Halbleiterexperte der Beratungsgesellschaft Capgemini, das seit Monaten schwache Abschneiden an der Börse. So hat Intel wiederholt Produkte zu spät auf den Markt gebracht. Dass die Milliardeninvestitionen die Gewinne auf Jahre hinaus drücken werden, sei auch nicht förderlich. Die Analysten von Morningstar warnen: Die kommenden Monate würden „turbulent“ für Intel.

    >> Lesen Sie hier: Chiphersteller in der China-Falle: Der wichtigste Markt droht wegzubrechen

    Intel beschäftigt Technikvorstand Greg Lavender zufolge 20.000 Software-Ingenieure. Das entspricht fast der gesamten Belegschaft des Konkurrenten Nvidia. Da liegt es nahe, aus den Programmierern mehr herauszuholen als bisher.

    Lavender zeigte sich dem Handelsblatt gegenüber zuversichtlich, dass „Project Amber“ ein Erfolg wird. „Die Kunden werden das annehmen. Aber ich frage mich, ob wir das Angebot schnell genug hochfahren können“, sagte der Manager.

    Wie viel der Service kosten wird, sei noch offen, er werde aber „bezahlbar“ sein für die Firmen. Es werde nach Nutzung abgerechnet, also nach der Zahl der Sicherheitsüberprüfungen. Zunächst will Intel den Vertrieb über Partner in den USA starten, bevor es auch in Europa losgeht.

    Grafik

    Klar ist: Damit das Softwaregeschäft für Intel relevant ist, muss es schnell wachsen. Für den Konzern, der im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 79 Milliarden Dollar kam und dabei 19,9 Milliarden Dollar Gewinn erzielte, ist Klein-Klein keine Option.

    Viele Flops abseits des Kerngeschäfts

    In der Vergangenheit allerdings sind viele Vorstöße in neue Bereiche gescheitert. So ist es Intel trotz mehrerer Anläufe und milliardenschwerer Übernahmen nie gelungen, ins Geschäft mit Smartphone-Chips vorzudringen. Hier dominiert der kalifornische Konkurrent Qualcomm.

    Auch mit Software hatten die Amerikaner wenig Glück. So hat Intel 2011 für 7,7 Milliarden Dollar McAfee geschluckt, einen namhaften Anbieter von Antiviren-Programmen. Sechs Jahre später zog sich Intel aus dem Geschäft zurück und trennte sich von McAfee. Das US-Magazin „Insider“ nannte den Konzern deshalb einmal den „schlechtesten Käufer der Tech-Geschichte“.

    >> Lesen Sie hier: Warum sich Wolfspeed als einziger Chiphersteller dem Absturz an der Börse entzieht

    Derzeit versucht Intel-Chef Gelsinger, Mobileye an die Börse zu bringen. Mit dem israelischen Unternehmen wollten die Amerikaner in das Geschäft mit selbstfahrenden Autos vorstoßen – bisher mit gemischtem Erfolg.

    Vertriebschef Schell verspricht, dass sich Intel künftig stärker als bisher am Markt orientiert – und weniger an den Vorstellungen der eigenen Ingenieure. Der gebürtige Schwabe weiß genau, was sich ändern muss. Denn er stieß erst dieses Frühjahr zu Intel. Zuvor arbeitete er 25 Jahre beim Computerbauer HP, einem der größten Intel-Kunden.

    Mehr: Mithilfe von TSMC: Europas wertvollstes Chip-Start-up Graphcore greift den Branchenriesen Nvidia an

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