Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
IPU-Chip von Graphcore

Der aufstrebende britische Chipdesigner ist einer der größten Hoffnungsträger der Chipindustrie in Europa.

(Foto: Graphcore)

Premium Graphcore Europas wertvollstes Chip-Start-up greift mit TSMC den Marktführer Nvidia an

Der Halbeiterhersteller TSMC hilft den Briten mit einem völlig neuen Produktionsverfahren. Dahinter steckt Kalkül. Auch andere sehen viel Potenzial beim Chipdesigner.
28.09.2022 - 15:28 Uhr 1 Kommentar

München Kleine Firma, große Aufmerksamkeit: TSMC rollt Europas wertvollstem Chip-Start-up Graphcore den roten Teppich aus. Das Start-up ist Erstkunde eines neuen, wegweisenden Produktionsverfahrens des weltgrößten Auftragsfertigers der Halbleiterindustrie. Der aufstrebende britische Chipdesigner erhofft sich dadurch einen wesentlichen Vorteil beim Angriff auf den Branchenriesen Nvidia.

„Es ist schon bemerkenswert, dass wir als junge Firma so eng mit TSMC zusammenarbeiten können“, sagte Simon Knowles, Co-Gründer und Technikchef von Graphcore, dem Handelsblatt.

Ein Zufall aber ist es nicht. Vielmehr steckt dahinter Kalkül von TSMC. Die Taiwaner spekulieren darauf, dass aus Graphcore in ein paar Jahren wird, was Nvidia heute ist: ein dynamisch wachsender, milliardenschwerer Chipkonzern – und vor allem ein bedeutender Kunde, der die Bauteile bei TSMC fertigen lässt.

Angriff auf Nvidia: Start-up Graphcore arbeitet mit TSMC zusammen

Graphcore ist einer der größten Hoffnungsträger der Chipindustrie in Europa. Denn Knowles und sein Mitgründer und CEO Nigel Toon drängen in die Königsklasse der Branche: die Prozessoren. Sie sind das Gehirn eines jeden Rechners. Es ist ein Feld, das Europa bislang weitgehend den Amerikanern überlässt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Chips speziell für die Künstliche Intelligenz (KI) seien nicht nur schneller als die des Marktführers Nvidia, behauptet Vorstandschef Toon. Über die gesamte Lebensdauer seien sie auch zehnmal günstiger. Er nennt sie Intelligent Processing Units, kurz IPUs.

    Grafik

    Ein vollmundiges, aber offenbar glaubwürdiges Versprechen. Denn TSMC ist nicht irgendwer. Der Auftragsfertiger verfügt über die weltweit fortschrittlichsten Produktionsverfahren. Von Apple bis Qualcomm lassen sämtliche großen Chipfirmen bei den Taiwanern fertigen.

    TSMC lobt bahnbrechende Designs von Graphcore

    Die Designs von Graphcore seien „bahnbrechend“, findet Paul de Bot, Europachef von TSMC. „Graphcore hat die Möglichkeit, die Stromversorgung direkt über unsere Wafer-on-Wafer-Technologie zu verbinden, voll ausgeschöpft, um eine große Leistungssteigerung zu erzielen.“ Statt die Strukturen auf den Chips mit enormem Aufwand weiter zu schrumpfen, werden bei dem Verfahren zwei Bauelemente übereinandergelegt und miteinander verbunden. Bei Speicherchips sei das bereits üblich, nicht jedoch bei Prozessoren, sagt Knowles.

    Bislang sind die Rollen im Prozessoren-Markt klar verteilt: Seit Jahrzehnten dominiert der US-Konzern Intel das Geschäft mit Prozessoren für PCs und Server, den sogenannten Central Processing Units, kurz CPUs. Nvidia liefert sogenannte Grafikprozessoren, die GPUs. Sie waren zunächst als Ergänzung für CPUs gedacht, haben sich inzwischen aber als eigene Kategorie durchgesetzt.

    Ursprünglich für Videospiele entwickelt, stecken GPUs inzwischen aber auch in vielen Netzwerkrechnern, den Servern. Nvidia-Chef Jensen Huang glaubt zudem an eine große Zukunft der GPUs in der Künstlichen Intelligenz. Nvidia kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 330 Milliarden Dollar und ist damit der wertvollste Halbleiterhersteller der Erde.

    >> Lesen Sie hier: iPhone-Produzent Foxconn baut für 20 Milliarden Dollar Chipfabrik in Indien

    Toon und Knowles sehen ihre Chips indes als überlegene Lösung. Denn die Bauelemente, argumentieren sie, seien speziell für KI-Anwendungen wie das maschinelle Lernen designt. Sie wollen die IPUs als neue, eigene Prozessor-Kategorie neben CPUs und GPUs am Markt etablieren.

    Bewertung

    2,8

    Milliarden Dollar

    Graphcore ist damit aktuell das teuerste Chip-Start-up Europas.


    Die Geldgeber glauben an eine große Zukunft von Graphcore. In der jüngsten Finanzierungsrunde Ende 2020 haben sie das sechs Jahre alte Unternehmen mit knapp 2,8 Milliarden Dollar bewertet. Das macht Graphcore zum teuersten Chip-Start-up Europas. 700 Millionen Dollar hat das Unternehmen bisher eingesammelt.

    „Wir sehen bei Graphcore weiterhin hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten“, sagt Ingo Ramesohl, Chef von RBVC, der Venture-Capital-Tochter von Bosch. Der weltgrößte Autozulieferer gehörte 2016 zu den ersten Finanziers der Firma aus Bristol. Der jüngste Branchenvergleich fürs maschinelle Lernen, der sogenannte MLPerf, habe die Wettbewerbsfähigkeit von Graphcore erneut bewiesen, urteilt Ramesohl. Zu den Investoren gehören darüber hinaus BMW, Dell, Microsoft und Samsung. Der bekannteste Finanzinvestor ist Sequoia.

    Umsatz mit KI-Chips um mehr als die Hälfte gestiegen

    Allerdings ist der Wettbewerb hart – und die Konkurrenz ebenfalls üppig mit Kapital ausgestattet. So hat das Start-up Sambanova im Frühjahr vergangenen Jahres 676 Millionen Dollar eingesammelt und kann damit auf insgesamt mehr als eine Milliarde Dollar zurückgreifen. Die Investoren bewerten das Unternehmen aus dem Silicon Valley mit über fünf Milliarden Dollar.

    >> Lesen Sie hier: Talfahrt der Chipindustrie ist kein gutes Zeichen für die Weltwirtschaft

    Der kalifornische Konkurrent Groq warb Mitte April vergangenen Jahres 300 Millionen Dollar ein. Die Firma wird mit rund einer Milliarde Dollar bewertet. Intel hat vor drei Jahren für zwei Milliarden Dollar das israelische KI-Chip-Start-up Habana übernommen.

    Die jungen Firmen drängen in einen schnell wachsenden Markt. Der Umsatz mit KI-Chips ist 2021 um mehr als die Hälfte auf knapp 36 Milliarden Dollar gestiegen. Gartner-Experte Alan Priestley zufolge hoffen weltweit rund 80 Start-ups auf den Durchbruch.

    Drängen mit Graphcore in die Königsklasse der Branche: die Prozessoren. Quelle: Graphcore
    Nigel Toon (li.), Simon Knowles

    Drängen mit Graphcore in die Königsklasse der Branche: die Prozessoren.

    (Foto: Graphcore)

    Graphcore sieht sich selbst vor den Konkurrenten: „Wir sind diejenigen, die Nvidia am ehesten das Leben schwermachen können“, beteuert Toon. „Denn unsere Systeme sind leistungsfähiger.“ Allerdings ist der Größenunterschied eklatant: Nvidia zählt rund 22.000 Mitarbeiter, Graphcore gut 500.

    Das Start-up indes scheint durchaus erfolgreich, veröffentlicht aber keine Finanzdaten. Die Briten haben eigenen Angaben zufolge vor allem zwei wichtige Kundengruppen: die Betreiber von Rechenzentren sowie Forschungseinrichtungen wie das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) oder die Universität Oxford.

    Graphcore sieht Börsengang als Option – aber nicht jetzt

    Toon und Knowles haben in der Vergangenheit bereits häufiger einen Börsengang ins Gespräch gebracht. Angesichts der Börsenflaute erscheint das momentan aber wenig realistisch. Frisches Geld braucht die Firma erst einmal nicht. Graphcore habe mehr als 200 Millionen Dollar auf dem Konto, behauptet Toon.

    Womöglich greift aber auch ein Wettbewerber zu. Toon kennt sich damit aus: Vor elf Jahren verkaufte er seine damalige Firma Icera für 435 Millionen Dollar ausgerechnet an Nvidia.

    TSMC ist unterdessen zufrieden mit der Zusammenarbeit mit Graphcore. „Wir freuen uns darauf, mit ihnen an weiteren Entwicklungen dieser Technologie zu arbeiten“, sagt Europachef de Bot.

    Mehr: Warum sich Wolfspeed als einziger Chiphersteller dem Absturz an der Börse entzieht.

    Erstpublikation: 26.09.2022, 04:00 Uhr.

    Startseite
    Mehr zu: Graphcore - Europas wertvollstes Chip-Start-up greift mit TSMC den Marktführer Nvidia an
    1 Kommentar zu "Graphcore: Europas wertvollstes Chip-Start-up greift mit TSMC den Marktführer Nvidia an "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Great article on Graphcore. Exited to see what path they choose for the future in the AI world.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%