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Energie

Energiekrise Über 2000 Prozent: Strompreise springen auf Rekordhoch

Noch nie war Strom so teuer wie jetzt. Die Verbraucher profitieren noch von alten Verträgen, doch das dürfte sich bald ändern. Besserung ist nicht in Sicht.
19.08.2022 - 16:46 Uhr 1 Kommentar
Wetter, Krieg und Krisen treiben den Strompreis auf Rekordhöhen. Quelle: dpa
Stromnetz

Wetter, Krieg und Krisen treiben den Strompreis auf Rekordhöhen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Strompreis ist diese Woche auf einen neuen Höchstwert gesprungen: 563 Euro kostet die Megawattstunde (MWh) im tagesaktuellen Handel an der Leipziger EEX-Börse mittlerweile. Vor einem Jahr lag der Preis noch bei knapp 23 Euro – eine Steigerung um mehr als 2347 Prozent. 

„Die Preise steigen gerade immer weiter, weil wir extreme Knappheiten in Frankreich, Österreich und Italien haben“, erklärt Stromexperte Mirko Schlossarczyk von dem Energieberatungsunternehmen Enervis im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die unsichere Lage auf den Energiemärkten allgemein komme dann noch obendrauf. 

Schon seit dem vergangenen Herbst steigen die Preise für Strom, Kohle, Öl und Gas immer weiter. War es zunächst die sprunghaft gestiegene Nachfrage nach den weltweiten Corona-Lockdowns, treibt seit Ende Februar vor allem die physische Gasknappheit die Preise. 

Grafik

Immer dann, wenn die Stromnachfrage durch Erneuerbare, Kern- oder Kohlekraftwerke allein nicht gedeckt werden kann, springen Gaskraftwerke stundenweise ein. Aufgrund der aktuell sehr hohen Beschaffungskosten für den Rohstoff geben die teuren Gaskraftwerke an der Börse deswegen den Takt vor.

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    Aktuell hat aber vor allem die Situation in Deutschlands Nachbarländern einen starken Effekt auf die Preise. „Ein Großteil der französischen Atomkraftwerke läuft nicht, was dazu führt, dass Deutschland zum ersten Mal seit Jahren Strom nach Frankreich exportiert“, erklärt Schlossarczyk. Viele Länder sind über das sogenannte europäische Verbundnetz miteinander verbunden.

    Braucht ein Land mal mehr Strom, als es gerade selber produziert, wird aus den Nachbarländern importiert und andersherum. So bleibt das Netz immer im Einklang mit Angebot und Nachfrage, weil die elektrische Energie kaum gespeichert werden kann.

    „Alles, was man jetzt an Strompreisen sieht, ist noch mit Verträgen mit den Preisen von vor zwei, drei Jahren bezahlt. Jetzt müssen die Versorger anfangen, sich wieder neu einzudecken.“ Mirko Schlossarczyk, Experte beim Energieberater Enervis

    Insgesamt ist zwar genug Strom da, nur schwanken in einzelnen Ländern die Erzeugungskapazitäten aktuell ungewöhnlich stark. Neben Frankreich haben vor allem die Schweiz und Italien mit extremer Wasserknappheit zu kämpfen. Hier falle vor allem die Leistung der vielen Wasserkraftwerke derzeit sehr gering aus, sagt Schlossarczyk. Das treibt die Preise. 

    >> Lesen Sie hier: Deutschland spart Gas – doch noch immer wird zu viel zur Stromerzeugung verbrannt

    Der Experte glaubt zwar, dass sich die Situation mit Blick auf Wasserknappheit, Hitze und die technischen Probleme der französischen Atomkraftwerke bis zum Winter entspannen könnte, auch die ans Netz zurückkehrenden deutschen Kohlekraftwerke werden dabei helfen. „Die Preise wird das aber nicht maßgeblich nach unten bringen“, sagt er. 

    Saftiger Aufschlag

    185

    Prozent

    teurer wird die Rechnung von Gaskunden schon in diesem Jahr. Beim Strom sind es bislang nur 31 Prozent. Das dürfte sich nächstes Jahr ändern.

    Es gibt jedoch Risiken für den Winter, die jetzt nur schwer absehbar sind: Wie geht es weiter mit dem Krieg in der Ukraine? Wie viel Gas kommt noch aus Russland oder dann überhaupt noch etwas? Gehen die in Deutschland geplanten LNG-Terminals nach Ankündigung ans Netz, und gibt es dann auch genügend LNG auf dem Weltmarkt?

    Auch diese Ungewissheiten sorgen für das Rekordhoch bei den Strompreisen. Sie werden am Markt als Risikoprämie eingepreist. Deswegen kostet die Megawattstunde Strom im vierten Quartal mittlerweile knapp 600 Euro – auch das ein trauriger Rekord.

    Rekordjagd an den Strommärkten trifft Verbraucher erst nach und nach

    Und während die Gasverbraucher schon seit Monaten mit massiven Preissteigerungen und nun auch noch mit der Gasumlage umgehen müssen, stehen die großen Aufschläge für Stromkunden an: „Alles, was man jetzt an Strompreisen sieht, ist noch mit Verträgen mit den Preisen von vor zwei, drei Jahren bezahlt. Jetzt müssen die Versorger anfangen, sich wieder neu einzudecken“, prognostiziert Schlossarczyk.

    Wo Gaskunden schon jetzt Preissteigerungen von 185 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf der Rechnung stehen haben, liegt der gleiche Wert bei Stromverbrauchern lediglich bei 31 Prozent. Das dürfte sich nächstes Jahr ändern. 

    „Zwar hat die Abschaffung der EEG-Umlage zuletzt eine leichte Entlastung beim Strompreis gebracht, mittelfristig müssen sich Verbraucher und Verbraucherinnen aber auf weiter deutlich steigende Preise einstellen“, sagt auch Steffen Suttner, Geschäftsführer Energie bei dem Vergleichsportal Check24.

    Die Einführung der sogenannten Gasumlage trägt dazu allerdings deutlich weniger bei als befürchtet. So führen die 2,4 Cent, die über das Umlagesystem ab Oktober auch für stromproduzierende Gaskraftwerke eingepreist werden müssen, im Schnitt lediglich zu einer Preiserhöhung von fünf Euro die Megawattstunde, wie Enervis vorrechnet. Angesichts der aktuellen Börsenstrompreise sind das gerade mal 0,8 Prozent. 

    Mehr: Nach der Gasknappheit droht die Stromknappheit – Wie die Dürre Europas Versorgung gefährdet.

    Handelsblatt Energie Briefing
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    1 Kommentar zu "Energiekrise: Über 2000 Prozent: Strompreise springen auf Rekordhoch"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Hat uns nicht mal jemand erzählt "Wir haben Gasknappheit keine Stromknappheit".

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