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Kreislaufwirtschaft Warum der Autohersteller Stellantis einen Schrottplatz plant

Wie können Autos oder Maschinen nach ihrem Lebenszyklus zumindest anteilig weiter genutzt werden? Die Opel-Mutter Stellantis will nun neue Wege dafür gehen.
02.11.2022 - 14:29 Uhr Kommentieren
Am italienischen Standort Mirafiori eröffnet Stellantis 2023 ein „Circular Economy Center“, um Fahrzeuge zu demontieren und Ersatzteile für einen neuerlichen Einsatz aufzupolieren. Quelle: Reuters
Concept Car mit Dach aus Pappe

Am italienischen Standort Mirafiori eröffnet Stellantis 2023 ein „Circular Economy Center“, um Fahrzeuge zu demontieren und Ersatzteile für einen neuerlichen Einsatz aufzupolieren.

(Foto: Reuters)

Köln Ein Autohersteller mit angeschlossenem Schrottplatz? Bei Stellantis ist das nicht abwegig, sondern zukunftsweisend – und nennt sich Kreislaufwirtschaft. Bis zum Jahr 2030 soll die neue Geschäftseinheit „Circular Economy“ zwei Milliarden Euro Umsatz erzielen. Man strebe nach der maximalen Verlängerung der Lebensdauer von Fahrzeugen und Ersatzteilen. Materialien und Altfahrzeuge will der Konzern konsequent in den Produktionskreislauf rückführen, sodass daraus neue Fahrzeuge und Produkte entstehen.

Am italienischen Standort Mirafiori eröffnet Stellantis 2023 ein „Circular Economy Center“, um Fahrzeuge zu demontieren und Ersatzteile für einen neuerlichen Einsatz aufzupolieren. Der Erlös aus recycelten Materialien und Teilen soll sich gegenüber 2021 verzehnfachen. Ende September zeigte Stellantis mit der Designstudie Citroën Oli ein E-Auto aus Pappe – ein Fingerzeig, wohin die Reise geht.

Kostbare Ressourcen wiederverwenden – dieses Gebot der Stunde wird auch auf der Weltklimakonferenz in Scharm El-Scheich ab Sonntag ein wichtiges Thema sein. Große Teile der Industrie nehmen die wachsende Bedeutung von Sekundärmaterialien ernst. So stellte BMW auf der letztjährigen Klimakonferenz in Glasgow mit dem „i Vision Circular“ ein Konzeptauto vor, das fast vollständig aus recyceltem Material stammte. Im Schnitt beziffert BMW den Anteil von wiederverwerteten Stoffen über all seine Fahrzeuge bereits auf 30 Prozent, 50 Prozent seien das Ziel. „Dabei geht es auch um betriebswirtschaftliche Nachhaltigkeit“, sagt BMW-Chef Oliver Zipse mit Blick auf Rohstoffpreise.

Die viel zitierte Kreislaufwirtschaft steht dabei nach Zahlen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY erst am Anfang. Nur 8,6 Prozent des weltweiten Materialflusses werden laut EY wiederverwertet. Der Handlungsdruck aber ist in den Chefetagen angekommen. 84 Prozent der deutschen Maschinenbauer befürchten, vom Markt verdrängt zu werden, wenn ihnen der grüne Wandel nicht gelingt, so das Ergebnis einer Befragung der Beratungsfirma Staufen.

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    Die Krux: Mit dem Umdenken in Umweltfragen ändern sich nicht nur Bezugsquellen. „Mit der angestrebten Kreislaufwirtschaft entstehen für Maschinenbauer neue Geschäftsmodelle, die sich noch bewähren müssen“, sagt Sarah Brückner, Geschäftsführerin für Abfall- und Recyclingtechnik im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Welches Modell trägt, hänge im Einzelfall von Funktionalitäten und Produkteigenschaften ab. „Einen Ansatz für alle gibt es nicht“, sagt Brückner.

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    Neun Handlungsfelder sieht der VDMA innerhalb der Kreislaufwirtschaft – darunter „Recycling“, „Repair“ oder auch „Reduce“. Auch „Pay per Use“ sei ein denkbares Modell zur effizienteren Nutzung von Maschinen und Anlagen. Dabei verkauft ein Hersteller nicht mehr Maschinen, sondern stellt sie Kunden zur Verfügung – bezahlt wird pro Werkstück. Beide Seiten hätten Effizienzvorteile, sagt Brückner. Hersteller behalten Zugriff und können Maschinen so leichter umrüsten, warten und auf neue Produktionsmethoden anpassen. Die Maschine bleibe länger in Betrieb, sagt Brückner.

    „Durch solche Ressourcenschonung werden Unternehmen unabhängiger von volatilen Rohstoffmärkten.“ Den Kunden nimmt Pay per Use das Investitionsrisiko, was in unsicheren Zeiten ein großer Vorteil sei. Die Münchener Unternehmensberatung Kaufmann/Langhans sieht Pay per Use in der Industrie „auf dem Vormarsch“. 69 Prozent der Maschinen- und Anlagenbauer im deutschsprachigen Raum kennen das flexible Bezahlmodell, ein gutes Viertel wende es an, so das Ergebnis einer aktuellen Studie.

    Auch der Einsatz und Optimismus bei Forschern wächst, wenn es um eine Art „Perpetuum Mobile“ für Produkte und Werkstoffe geht. „Von der linearen Wirtschaft, wo am Ende des Prozesses immer Abfall entstand, über das Recycling, das fast 50 Jahre unser Denken prägte, sind wir bei der wahren zirkulären Wirtschaft angekommen“, sagt Julia Krause, Professorin für Industrielle Beschaffung an der HTW Dresden.

    Das Wuppertal Institut sieht keine Alternative: „Der Übergang zu einer ressourcenschonenden Circular Economy ist unverzichtbare Voraussetzung für industrielle Klimaneutralität und die Industrietransformation zur Nachhaltigkeit“, schreibt der Transformationsforscher Stephan Ramesohl. Kurz: Ohne Ressourcenschutz kein Klimaschutz. Und Digitalisierung sei dafür ein Schlüssel.

    Daten erleichtern das Recycling

    Das gilt auch für die zentrale Komponente von E-Fahrzeugen – die Batterie. Ein Konsortium aus Wissenschaft und Wirtschaft will über einen digitalen Produktpass deren Recyclingfähigkeit erhöhen. „Je mehr Daten zum Lebenszyklus einer Maschine oder eines Produkts bekannt sind, desto flexibler sind sie reparier- oder umrüstbar, desto besser lassen sich Teile recyceln“, sagt Susanne Kadner, Leiterin der Initiative Kreislaufwirtschaft bei Acatech. Die deutsche Akademie für Technikwissenschaften ist einer der zehn Konsortialpartner.

    Das Ziel sei die nahtlose digitale Dokumentation eines Batterielebens. Die EU verlangt ab 2027 für Industrie- und Traktionsbatterien die Mengenangabe rückgewonnener Materialien. Systematisch will das Konsortium auch ermitteln, woher verwendete Rohstoffe stammen und mit welchem Aufwand sich eine Batterie recyceln lässt. Erste Ergebnisse sind für das Frühjahr angekündigt. „Wir ermitteln, welche Datenpunkte im Sinne einer Kreislaufwirtschaft von Bedeutung sind“, sagt Kadner.

    Auch der Automatisierer Festo aus Esslingen richtet sich auf Kreislaufwirtschaft aus – mit der Natur als Vorbild. „Dort gibt es keinen Abfall und keine Verschwendung, wir müssen nur lernen, diese Prinzipien auf unser Wirtschaften zu übertragen“, sagt Festo-Chef Oliver Jung. Den Worten folgen Taten. In einem Bioreaktor will Festo neue Materialien jenseits der Erdölchemie erzeugen und setzt dabei mit Forschungspartnern auf Algen, sagt Elias Knubben, Vice President Corporate Research and Innovation.

    Beim Stoffwechsel produzieren die Algen Fettsäuren, Farbpigmente und Tenside – und damit biobasiertes Ausgangsmaterial für Lebensmittel oder Kunststoffe, die biologisch abbaubar und klimaneutral rückführbar sind, erläutert Knubben. Festo sucht Partner aus der Industrie für die Skalierung des Projekts. „Wir erhalten ein sehr gutes Echo“, sagt Knubben.

    Mehr: Batteriefertigung rückwärts – Wie Cylib das Rohstoffproblem der E-Auto-Bauer lösen will

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