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Premium Homeoffice Wie Dax-Konzerne den Trend nutzen

Drei Jahre nach der Revolution der Arbeitswelt reduzieren erste Dax-Firmen ihre Büroflächen. Familienunternehmen halten daran fest – weil sie oft keine Wahl haben.
27.02.2023 - 10:39 Uhr Kommentieren
Bürogebäude der Deutschen Bank in Frankfurt Quelle: imago images/Jan Huebner
Zentrale der Deutschen Bank

Das Kreditinstitut will etwa 40 Prozent seiner Büroflächen in Frankfurt reduzieren.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Düsseldorf, Frankfurt In der neuen Arbeitswelt braucht die Deutsche Bank weniger Platz. Am Frankfurter Stammsitz will die Bank ihre Büroflächen bis Ende 2024 im Vergleich zu 2021 um 40 Prozent reduzieren. Zwei der fünf Standorte werden aufgegeben. Ähnliche Vorhaben gibt es für andere Städte. Man wolle sich „auf weniger Gebäude konzentrieren, diese aber mit einem höheren Standard ausstatten“, teilte die Deutsche Bank mit.

Immer mehr Konzerne bauen infolge der vermehrten Heimarbeit Büroflächen ab und nutzen das als Sparprogramm. Das zeigt eine Handelsblatt-Umfrage unter den 40 Dax-Konzernen und zehn großen Familienunternehmen. Auch laut einer neue Allensbach-Studie haben 27 Prozent der Firmen ihre Büros reduziert, 22 Prozent planen das. 40 Prozent wollen das nicht; darunter sind vor allem Firmen mit weniger als 1000 Beschäftigten.

Die Pandemie hat Büroberufe dauerhaft verändert. Vor fast drei Jahren mussten viele Beschäftigte über Nacht ins Homeoffice ausweichen. Mittlerweile ist dieses aus der Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken.

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Laut dem Ifo-Institut arbeiteten zuletzt 25 Prozent der Beschäftigten regelmäßig im Homeoffice – „das dürfte auch der neue langfristige Wert werden“, sagt Ifo-Ökonom Oliver Falck. Vor der Pandemie lag der Anteil bei weniger als 15 Prozent. Das macht sich nun auch auf dem Markt für Büroimmobilien bemerkbar. In den Großstädten Berlin, Frankfurt, Hamburg, München und Düsseldorf ist die Leerstandsquote durch Corona von 3,4 auf 4,6 Prozent gestiegen, was allerdings immer noch als gering gilt.

>> Lesen Sie mehr: Albtraum Neubau – Warum Bauen in Deutschland so mühsam geworden ist

Experten rechnen auch künftig mit einer robusten Nachfrage nach Büroimmobilien, aber mit einer Zweiteilung des Marktes. Einerseits würden erstklassige Flächen in guten Lagen und mit guter technischer Ausstattung knapp, so Carsten Ape vom Immobiliendienstleister CBRE. Andererseits prognostiziert er „steigende Leerstandsraten bei älteren Objekten und in weniger nachgefragten Lagen“.

Homeoffice: Bis zu 20 Prozent weniger Bürokosten

Leerer ist es etwa bei Siemens geworden. Im Zuge der Heimarbeit hat sich der Flächenverbrauch um rund 20 Prozent verringert. Auch die Deutsche Telekom plant „mittelfristig mit deutlich weniger Büroflächen“, SAP mit „etwas weniger“, BMW sieht Chancen dafür. Konzerne können so auch Geld sparen. Bayer rechnet damit, seine Belegungskosten um zehn bis 20 Prozent zu reduzieren.

14 der 40 Dax-Konzerne, darunter Covestro, Symrise oder Vonovia, wollen ihre Flächen zunächst nicht abbauen. „Die verstärkte Nutzung von hybriden Arbeitsmodellen bedeutet für uns nicht unbedingt einen Verzicht auf Flächen“, heißt es auch von Merck.

Firmen nutzen Homeoffice auch als Einsparmaßnahme. Quelle: Moment/Getty Images
Bürogebäude

Firmen nutzen Homeoffice auch als Einsparmaßnahme.

(Foto: Moment/Getty Images)

Der Chiphersteller Infineon hat sogar seine Büros ausgeweitet. Mit dem Geschäft habe sich auch die „Zahl der Beschäftigten in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt“. Ebenso plant Europas größter Schuhhändler Deichmann eine Erweiterung.

Während Dax-Konzerne ihre Büroflächen verkaufen oder vermieten, halten viele große Familienunternehmen wie der Lebensmittelkonzern Dr. Oetker oder der Haushaltsgerätehersteller Miele an ihren Immobilienbeständen mit Verweis auf geplante Personalaufstockungen fest. Das liegt auch daran, dass sie seltener in Metropolen, sondern eher auf dem Land beheimatet sind, was die Zahl der Mietinteressenten reduziert. Zudem sind Familienunternehmen häufig Eigentümer und nicht Mieter.

Coworking-Bereich statt Einzelbüro

Unternehmen prüfen nicht nur ihren Bedarf an Büroflächen, sondern gestalten diese auch um: Flure voller Einzelbüros gehören der Vergangenheit an. Beschleunigt durch die Erfahrungen der Pandemie testen Firmen neue Konzepte wie Coworking-Bereiche oder Cafés zum Austauschen und kreativen Arbeiten. Weiterhin wird es auch Plätze für konzentrierte Einzelarbeit oder vertrauliche Gespräche geben.

92 Prozent der befragten Führungskräfte gaben in der Allensbach-Studie an, dass sich die Gestaltung der Büroräume verändern werde. Für die Firmen bedeutet das, zu investieren. „Zwar steht Kosteneffizienz bei der Gestaltung der Büroflächen im aktuell rezessiven Umfeld verstärkt im Fokus“, sagt Immobilienfachmann Ape. Mitarbeiterzufriedenheit finde sich angesichts des Fachkräftemangels aber ebenfalls weit oben auf der Agenda.

92

Prozent

der Führungskräfte gehen davon aus, dass sich die Büros verändern werden (Allensbach-Studie).

Die Allianz, Hannover Rück oder Deichmann haben die Zeit des Dauerhomeoffice genutzt, um die Büros umzubauen. Die Deutsche Bank will auf Dauer die Hälfte der Büros mit Gemeinschaftsflächen wie Austauschzonen gestalten. Gerade liegt der Anteil bei 15 Prozent. Henkel will in den Büros mehr Naturelemente einsetzen, die „das Wohlbefinden der Mitarbeitenden fördern sollen“.

Beiersdorf zieht im Laufe des Jahres in eine neue Zentrale. Das wurde schon vor der Pandemie beschlossen, die Covid-Erfahrungen flossen aber in die Gestaltung mit ein. Der Baustoffkonzern Heidelberg Materials hat seine neue Verwaltung im Herbst eingeweiht.

Zu den Umbauten heißt es etwa von Siemens Healthineers: „Wir erhalten trotz anfänglicher Skepsis positives Feedback.“ Für Bayer wirken neue Bürokonzepte „als zusätzliche Motivation, regelmäßig ins Büro zu kommen“.

Homeoffice-Trend: In manchen Büros ist nur jeder dritte Arbeitsplatz besetzt

Das scheint in vielen Firmen auch notwendig, weil die Auslastung oft unter den selbst gesteckten Zielen liegt, wie sie hinter vorgehaltener Hand einräumen. Besonders leer ist es bei der Allianz: Im vierten Quartal lag die Auslastung bei 35 Prozent. Bei Jungheinrich ist die Quote ähnlich. Der Intralogistikspezialist hatte im Winter ein Gebäude geschlossen, um Heizkosten zu sparen und ermöglicht noch bis April 100 Prozent Heimarbeit.

60

Prozent

Büroauslastung stellten die Firmen Beiersdorf, Heidelberg Material und MTU zuletzt fest.

Bei Munich Re, Hannover Rück, Sartorius, Vonovia oder Kirchhoff blieb zuletzt jeder zweite Platz frei. 60 Prozent Auslastung melden Beiersdorf, Heidelberg Materials oder der Triebwerkshersteller MTU. Siemens und die Deutsche Post stellen wieder eine Zunahme der Anwesenheit fest. Und bei Adidas und dem B2B-Handelsunternehmen Berner arbeiten die Beschäftigten erneut mehrheitlich vom Büro aus.

Immer mehr Unternehmen setzen jedoch auf Desk-Sharing, bei dem Mitarbeiter keine eigenen Büros mehr haben, sondern vorab einen Platz buchen. Immobilienexperten gehen davon aus, dass Firmen künftig nur noch einen Arbeitsplatz pro drei Mitarbeiter vorhalten.

Miele hat ein dreistufiges Modell eingeführt: Mitarbeiter, die bis zu zwei Tage mobil arbeiten, behalten ihren Schreibtisch im Betrieb. Das gilt auch für die, die immer ins Büro kommen. Wer bis zu vier Tage von zu Hause arbeitet, verliert seinen festen Tisch. Für diese Mitarbeiter zahlt Miele aber Pauschalbeträge für die Heimarbeit und eine technische Erstausstattung.

Zwei Tage Homeoffice bei Adidas, fünf bei Mercedes Benz

Allerorts setzen die Unternehmen auf eine hybride Mischung aus Büro und Heimarbeit. „Wir werden keine einhundert Prozent Remote-Organisation, weil wir an die Kraft der Begegnung glauben“, sagt Otto-Personalvorständin Petra Scharner-Wolff.

Wie oft ihre Beschäftigten mobil arbeiten, regeln die Firmen indes unterschiedlich. Entsprechend wirkt sich das auch auf den Immobilienbedarf aus. Mit zwei Tagen Heimarbeit pro Woche sind Adidas, Beiersdorf, Henkel, Symrise oder Qiagen zurückhaltender. Daher wollen diese Firmen auch keine Flächen abbauen. Die meisten Unternehmen ermöglichen zwei bis drei Tage Homeoffice, so auch Siemens und Jungheinrich.

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Bis zu vier Tage pro Woche geht das bei Volkswagen oder Covestro. Bei Mercedes-Benz und der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) dürfen Beschäftigte sogar komplett von unterwegs aus arbeiten. Der Autobauer hatte schon 2009 erste Heimarbeitsregeln aufgestellt. Viele Unternehmen wie BMW, Bayer, Eon, SAP, die Telekom oder die Otto Group machen keine Vorgaben, hier entscheiden die Teams, Abteilungen oder die Beschäftigten in Rücksprache mit ihrer Führungskraft.

Firmen sind zufrieden mit Homeoffice

Insgesamt scheint das Experiment Homeoffice gelungen. 76 Prozent der in der Allensbach-Studie befragten Unternehmen ziehen eine positive Bilanz. Auch die Dax-Konzerne und Familienunternehmen sehen Vorteile wie die Vermeidung von Arbeitswegen oder eine bessere Work-Life-Balance.

Kulturelle Unterschiede gibt es, was Homeoffice für Führungskräfte angeht. Dem Autobauer Porsche ist es wichtig, „dass unsere Führungskräfte einen Großteil ihrer Zeit vor Ort sind, um sich intensiv ihren Führungsaufgaben zu widmen“, teilte das Unternehmen mit. Auch bei Symrise arbeiten die oberen Führungskräfte in der Regel aus dem Büro heraus.

76 Prozent der Unternehmen ziehen eine positive Bilanz beim Thema Homeoffice. Quelle: imago images/Westend61
Mitarbeiterin im Homeoffice

76 Prozent der Unternehmen ziehen eine positive Bilanz beim Thema Homeoffice.

(Foto: imago images/Westend61)

Bei SAP waren Führungskräfte schon vor der Pandemie Homeoffice-erprobt. So planen über 90 Prozent, regelmäßig mobil zu arbeiten. Bei anderen hat ein Umdenken stattgefunden: So hatten Topmanager bei Infineon zwar schon vor Corona die technischen Möglichkeiten zur mobilen Arbeit, aber „die Akzeptanz ist insgesamt in der Organisation noch weiter gewachsen“, hieß es vom Chiphersteller.

Mehr: Steigerungen von bis zu 1200 Prozent: In diesen deutschen Städten boomen Homeoffice-Jobs

Erstpublikation am 12.02.2023, um 10:55 Uhr.

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