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Premium Wärmepumpenheizung Stromverbrauch der Wärmepumpe könnte eine Schwachstelle werden

Elektrische Wärmepumpen sollen Deutschland dabei helfen, unabhängiger von Erdgas zu werden. Doch die Folgen für das Stromversorgungssystem sind immens.
26.08.2022 - 11:55 Uhr 12 Kommentare
Bei einem zu hohen Stromverbrauch müssen Gaskraftwerke helfen. Quelle: dpa
Heizkraftwerk Linden

Bei einem zu hohen Stromverbrauch müssen Gaskraftwerke helfen.

(Foto: dpa)

Berlin Im Kampf gegen die Abhängigkeit von russischem Erdgas sind elektrische Wärmepumpen für die Bundesregierung zentral. Erst vor wenigen Wochen kündigten Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) eine Initiative an, um diese zum neuen Standard bei der Beheizung von Gebäuden zu machen.

Es gehe darum, bis 2030 sechs Millionen Wärmepumpen einzubauen, hatte Habeck Ende Juni im Anschluss an einen virtuellen „Wärmepumpen-Gipfel“ gesagt, an dem Vertreter der Heizungsindustrie, der Wohnungswirtschaft, des Handwerks und der Energiewirtschaft teilgenommen hatten.

Wärmepumpen: Spitzenlast würde sich um zehn Gigawatt erhöhen

Doch wie würden sich sechs Millionen Wärmepumpen auf das Stromversorgungssystem auswirken? Untersucht hat das das Energiewirtschaftliche Institut an der Uni Köln (EWI). „Sechs Millionen Wärmepumpen bedeuten eine Stromnachfrage von etwa 30 Terawattstunden“, sagte EWI-Manager Johannes Wagner dem Handelsblatt. An einem sehr kalten Wintertag würde eine solche Zahl an Wärmepumpen die Spitzenlast in Deutschland um bis zu zehn Gigawatt erhöhen.

Zur Einordnung: Der Nettostromverbrauch in Deutschland betrug im Jahr 2021 rund 508 Terawattstunden. Der Begriff Spitzenlast bezeichnet den Moment mit der höchsten Stromnachfrage. In Deutschland liegt die Spitzenlast bei gut 80 Gigawatt (GW).

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    Investitionen: Branche hält sich aufgrund der Unsicherheiten zurück

    Wärmepumpen sind nur einer der Faktoren, die die Spitzenlast in Deutschland ansteigen lassen werden. „Wir gehen davon aus, dass die Spitzenlast bis 2030 deutlich steigt, und zwar in einem Jahr mit einem durchschnittlich kalten Winter im Normalfall auf einen Wert von rund 100 Gigawatt“, sagte Wagner. Das liege neben der wachsenden Zahl elektrischer Wärmepumpen und strombasierter Anwendungen in der Industrie auch an der Elektromobilität und der fortschreitenden Digitalisierung.

    Die Bundesregierung will deutlich mehr dieser Pumpen in Deutschland. Quelle: dpa
    Erdwärmepumpe

    Die Bundesregierung will deutlich mehr dieser Pumpen in Deutschland.

    (Foto: dpa)

    Der Kraftwerkspark müsse auf die wachsende Spitzenlast vorbereitet werden, mahnte Wagner. „In einem System, in dem Atom- und Kohlekraftwerke keine Rolle mehr spielen, muss die Spitzenlast in einzelnen Stunden von Gaskraftwerken abgedeckt werden.“

    Das sei eine Herausforderung. Derzeit sei nicht abzusehen, ob die dafür erforderlichen neuen Kapazitäten in den kommenden Jahren entstehen werden. Tatsächlich hält sich die Branche angesichts der Unsicherheit mit Blick auf die Gasversorgung bei Investitionen stark zurück.

    Wärmepumpen: Stromquelle noch ungeklärt

    Wagners EWI-Kollegin Johanna Bocklet resümiert: „Wenn es sehr kalt wird, stellen elektrische Wärmepumpen das Stromversorgungssystem vor eine große Herausforderung.“ Auch das Stromverteilnetz müsse an die wachsende Zahl von elektrischen Wärmepumpen angepasst werden.

    Nicht allein Wissenschaftler wie Wagner und Bocklet weisen auf Herausforderungen hin. Branchenmanager wie Florian Bieberbach, Chef der Stadtwerke München (SWM), sind skeptisch. Die Bundesregierung fokussiere sich stark auf elektrische Wärmepumpen. „Doch wo soll an einem kalten Wintertag ohne Wind und Sonne der Strom für diese Wärmepumpen herkommen? Dazu kenne ich von der Bundesregierung keine überzeugende Antwort“, sagte Bieberbach.

    Die Bundesregierung habe noch keine überzeugende Lösung für die Wärmewende vorgelegt, kritisierte er.

    Mehr Handelsblatt-Artikel zum Thema Stromversorgung:

    Hinzu kommt, dass auch die Installation der Wärmepumpen zur Herausforderung werden dürfte. „Sechs Millionen Wärmepumpen baut man nicht so eben mal ein“, sagte Bocklet. Nicht nur die Verfügbarkeit der Geräte sei ein Thema. Es brauche auch geschultes Personal. Die von der Bundesregierung geplante Schulungsoffensive sei ein erster Schritt in diese Richtung.

    Wenn die Bundesregierung ihre Ziele beim Einsatz der Wärmepumpe erreichen will, müssten bereits ab 2024 jährlich 500.000 Wärmepumpen installiert werden. Im vergangenen Jahr waren es 150.000 Wärmepumpen. Nach Branchenangaben werden von den rund 21 Millionen Heizungsanlagen in Deutschland 14 Millionen mit Erdgas betrieben, 5,5 Millionen mit Öl und 0,9 Millionen mit Biomasse. Dem stehen 1,1 Millionen Wärmepumpen gegenüber.

    Mehr: Was Sie bei den Alternativen zu Öl- und Gasheizung beachten sollten

    Erstpublikation: 23.08.2022, 8:28 Uhr

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    Mehr zu: Wärmepumpenheizung - Stromverbrauch der Wärmepumpe könnte eine Schwachstelle werden
    12 Kommentare zu "Wärmepumpenheizung: Stromverbrauch der Wärmepumpe könnte eine Schwachstelle werden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • In dem Artikel geht es um ein Mittel- bis Langfristproblem, das sich nach und nach aufbauen wird. Es ist ja nicht so, dass bereits übermorgen jeder eine Wärmepumpe hat. Die Wärmewende wird sich voraussichtlich über 10 bis 15 Jahre hinziehen.

      Grundsätzlich ist die "Überraschung" trotzdem überraschend. Es gilt als ausgemachte Sache, dass bis auf wenige Ausnahmen alles was bisher fossil versorgt wurde elektrifiziert wird. Die wenigen Ausnahmen werden langfristig mit grünem Wasserstoff oder E-Fuels betrieben.

      Dass in dem Zusammenhang installierte regenerative Stromerzeugungsleistung und entsprechende Speichermöglichkeiten zum Abfangen von Spitzenlasten weit über die derzeit verfügbare Gesamtleistung ausgebaut werden müssen, ist ein Low Brainer.

      Allerdings hatte auch schon Altmaier im letzten Frühjahr/Sommer 2021 "übersehen", dass in Zukunft deutlich mehr Strom für die Elektrifizierung des Verkehrs und für Wärmepumpen zur Verfügung gestellt werden muss. In der Folge kam es zu einer Anpassung des erwarteten jährlichen Stromverbrauchs bis 2030 um rund 80TWh auf ca 650TWh.

      Manchmal kann man nur den Kopf schütteln ... aber Weihnachten überrascht einen am 24.12. auch immer wieder neu.

    • der Strom muss selbstverständlich aus Atomkraftwerken kommen - ich fordere einen Atomgipfel zur Sicherung der grünen Energiewende!

    • So um die 5 Grad und darunter arbeiten die meisten Wärmepumpen nur noch als reine Stromheizung, sie erzeugen somit keine weitere Wärme mehr durch Verdichtung. Das Thema Energie muss strategisch neue gedacht werden, beginnen sollte man bei Neubauten.

    • @Herr Andreas Felsch
      Es geht darum, um möglichst wenig Gas zu beziehen - das verstehen Sie doch, habe ich Ihnen das genügend deutlich gemacht?
      Da kann man Kohle verstromen,
      da kann der kleine Andreas kalt duschen,
      da kann er auch mal einen Waschlappen benutzen statt zu duschen....
      Noch nicht verstanden? Ich gebe es auf - sie wollen nicht, sie sind wohl doch ein Troll!

    • Na ja, Herr Peter, dass Sie Ihre eigenen Vorstellungen von allg. etablierten Begriffen (BIP, Staatsquoten etc. etc.) haben - mit der sonst niemand was anfangen kann, hab ich ja nun schon gelernt.
      Aber dass die Verstromung von Kohle statt Gas eine Sanktion darstellt, ist wieder was Neues.
      Ich hätte hier eher von einer aus der Not geborenen Entscheidung gesprochen. Und ob die richtig war, werden wir erst noch sehen.

      Sie schaffen es immer wieder Zusammenhänge zu erschwurbeln, die es gar nicht gibt. Wenn Ihr Ziel ist, die Sicht auf die Realität zu vernebeln, mag das eine zielführende Strategie sein. Aber ziehen Sie in Betracht, dass nicht jeder drauf reinfällt.

    • @Herr Andreas Felsch
      weit weg von gut und böse - wo sind Sie eigentlich? Kann man Sie noch sehen - so weit stehen Sie über allen und der Realität:
      Warum schreibt das HB und alle Medien ständig von Sanktionen? Allein schon die Entscheidung statt relativ CO2 günstiges Gas wieder Kohle verstromen zu wollen ist aus meiner bescheidenen, bodenständigen, naiven Sicht eine Sanktion.
      Ihr Interesse scheint wohl eher zu sein, von den wichtigen Kommentaren wie von Herr Peter Michael, Herr Christoph Cirkel und Herr Pascal Geier abzulenken:

      Wärmepumpen brauchen im Winter, also wenn sie besonders benötigt werden, extrem viel Strom,. Die Stromanbieter sind überfordert. Der Regierung fehlt ein vernünftiges Konzept!

    • Herr Peter, sie können es sooft wiederholen, wie Sie wollen, es ist und bleibt falsch: es gibt weder Sanktionen noch Verbote. Sorry, völliger Blödsinn!
      Etwas weniger offensichtliche Kreml-Propaganda würde auch Sie etwas glaubwürdiger erscheinen lassen ;-)
      .. aber so wird das wohl nichts mit einem Vaterländischen Verdienstorden.

    • @Herr Pascal Geier
      Für was stehen die Grünen?
      e-Autos
      Wärmepumpen
      keine Atomkraftwerke
      keine Kohle - oder jetzt doch
      Waffen für die Ukraine - statt Diplomatie
      Wohin soll uns das nur (ver-)führen?

      @Herr Andreas Felsch
      Na Sie gehen mal wieder ins Detail - ja richtig, der Import von Gas wird nicht komplett verboten, was einem Embargo entspricht, doch eben sanktioniert - kommt (fast) aufs Gleiche raus - aber wie schön Sie sich doch mal wieder aufregen und Kremltröten hinter in jeder Ecke sehen. Dann auch noch Fake-Alarm schreien.... tstststsssss - Ihren Kommentar braucht es nicht, etwas Toleranz, Interpretationsfähigkeit und Gelassenheit würden Ihnen gut stehen!

    • Leider hat unsere Regierung noch immer nicht verstanden, dass wenn im Winter die Wärmepumpe besonders viel Strom benötigt, dann auch am wenigstens Strom auf erneuerbaren Energien zur Verfügung steht. Wenn jetzt alle AKW und die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden und auch kein Gas zur Verfügung steht, dann gibt es einfach nicht mehr ausreichend Strom, um an dunklen und windarmen Wintertagen die Wärmepumpen betreiben zu können. Zumal ja dann auch noch die E-Autos wegen der Kälte besonders häufig aufgeladen werden müssen. Man kann nicht einfach die Nachfrage nach Strom steigern, ohne auch das Angebot (die Produktion) an Strom im Gleichklang zu steigern. Das kann nicht gutgehen.

    • Mal wieder Kreml-Tröten Fake-Alarm:
      "...weil wir ja ein Gasembargo gegen Russland ausgesprochen haben ..."
      Nö, es gibt kein westliches Gas-Embargo! Es gibt nicht mal ein russisches Gasembargo ggü. D!
      Aber wieso sollten Fakten auch eine Rolle spielen!?

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